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Netzwerk Demenz Essen: Demenz sichtbar machen

Eine Marke für ein Thema, das viele lieber übersehen – warm, würdevoll und für alle zugänglich. Vom Logo bis zum Messestand: ein durchgängiger Auftritt für das größte Demenz-Netzwerk in Essen.

Projektdaten

Kunde Netzwerk Demenz Essen e.V.
Ort Essen
Branche Non-Profit / Gesundheit & Soziales
Zeitraum seit 2023, laufend
Leistungen Konzeption (gestalterisches Leitprinzip) / Brand Design (Wort-Bild-Marke, Corporate Design, Barrierefreiheit) / Brand Media (Website, Print, Werbetechnik, Messe, Werbeartikel)
Umfang über 20 abgestimmte Medien und Touchpoints

Herausforderung

Demenz ist kein Thema, mit dem sich Menschen gern beschäftigen. Meistens erst dann, wenn es sie selbst oder ihre Angehörigen betrifft. Ein Auftritt für das Netzwerk Demenz Essen durfte deshalb nicht klinisch, nicht schwer und schon gar nicht angstbesetzt wirken. Er sollte einladen, nicht abschrecken.

Dazu kamen mehrere Anforderungen, die sich nicht von selbst vertragen:

  • Zwei sehr unterschiedliche Zielgruppen unter einem Dach. Auf der einen Seite Betroffene und Angehörige, die schnelle, verständliche Hilfe suchen. Auf der anderen Fachleute, Organisationen und potenzielle Netzwerkpartner, die fachliche Substanz erwarten. Ein gemeinsames Corporate Design – aber das „Look and Feel" sollte von den Betroffenen her gedacht sein.
  • Barrierefreiheit als echte Anforderung, nicht als Zusatz. Das Netzwerk arbeitet ausdrücklich auch mit tauben und hörbehinderten Menschen. Verständliche Sprache, gute Lesbarkeit und Gebärdensprach-Inhalte mussten von Anfang an mitgedacht werden.
  • Ein eigenes Gesicht neben dem wichtigsten Partner. Die Stadt Essen ist enger Kooperationspartner, kein Wettbewerber und tritt mit einem kräftigen Dunkelblau auf. Das Netzwerk sollte als unabhängige, trägerneutrale Instanz sichtbar eigenständig danebenstehen, ohne sich anzulehnen.
  • Ein kleines Team mit begrenzten Mitteln. Als ehrenamtlich getragener Verein braucht das Netzwerk einen Auftritt, den es weitgehend selbst pflegen und weiterführen kann, ohne für jeden Termin-Flyer eine Agentur zu beauftragen.
  • Hoher Wiedererkennungswert über viele Kanäle – von der Website über Print bis zum Messestand.

Ansatz

Bevor ich bei so einem Projekt mit der Gestaltung beginne, gilt es eine zentrale Frage zu beantworten: Wofür steht die Organisation? Beim Netzwerk Demenz Essen lag die Antwort bereits vor – sie musste nur gestalterisch übersetzt werden. Aus dem Briefing zum Leitbild sprangen mir drei Gedanken entgegen: „You are not alone“, „Demenz sichtbar machen“ und der Wunsch, das Thema zu enttabuisieren und Lebensqualität zu erhalten.

Bei der Recherche zur Bildsprache fiel mir auf, wie das Thema meist bebildert wird: Die üblichen Darstellungen kreisen fast durchgängig um Krankheit, Verlust und Rückzug. Genau das wollte ich nicht. Daraus habe ich das gestalterische Leitprinzip für das gesamte Corporate Design abgeleitet: Nicht die Krankheit zeigen, sondern die positive Wirkung des Netzwerks. Kein Fokus auf Verlust – sondern Nähe, Schutz und Zugehörigkeit.

Diese Idee steckt in der Wort-Bild-Marke. Das Zeichen ist bewusst mehrdeutig angelegt und trägt mehrere Assoziationen auf einmal:

  • eine Person mit ausgebreiteten Armen als Geste von Offenheit und Willkommen,
  • ein schützender Bogen wie ein Schirm über dem Menschen,
  • kreisförmige Verbindungen als Sinnbild für das Netzwerk selbst,
  • ein Auge, das „sichtbar machen“ wörtlich nimmt.

Dazu der Claim „Demenz sichtbar machen“ – die eigene Haltung in drei Worten. Die Farb- und Formsprache: warm, freundlich, rund statt kantig, seriös, aber nie kühl.

Lösung

Aus dem Leitgedanken ist ein vollständiges Corporate Design geworden und ein Auftritt, der ihn über mehr als zwanzig Medien konsequent durchzieht.

Brand Design – das visuelle System

Logo

Das Logo liegt in drei Varianten vor: als reine Wort-Bild-Marke, mit Claim-Zusatz („Demenz sichtbar machen") und mit e.V.-Zusatz für formale Anlässe. So bleibt die Marke in jedem Kontext einsetzbar. Von der Visitenkarte bis zum Messestand.

Farbsystem

Hauptfarbe ist ein warmes Grün – freundlich, lebendig, ohne kalte Anteile. Begleitet wird es von einem mittleren Blau für die Wortmarke. Dazu ein sonniges Gelb und ein zartes Himmelblau als Akzente sowie eine fein abgestufte Grauskala für Fließtext und ruhige Flächen. Die Vorgabe, dem Dunkelblau der Stadt Essen nicht in die Quere zu kommen, ist damit erfüllt: Das dominante Grün trägt den Auftritt und der offene, freundliche Blauton daneben steht dem dunklen Behördenblau der Stadt erkennbar entgegen. Das Netzwerk bleibt sichtbar es selbst – neben seinem wichtigsten Partner, nicht in dessen Fahrwasser.

Typografie

Lange konnten sich nur große Unternehmen eine eigene Hausschrift leisten. Alle anderen griffen zu den immer gleichen Systemschriften. Webfonts und frei lizenzierte Schriften haben das gedreht. Heute kann auch ein ehrenamtlich getragener Verein typografisch eigenständig auftreten.

Als Hausschrift kommt die Nunito Sans zum Einsatz: eine gut lesbare Serifenlose mit 16 Schnitten und als Open-Source-Schrift kostenfrei für den Verein nutzbar. Für Fälle, in denen die Hausschrift nicht installiert werden kann – etwa in den Word-Vorlagen des Vereins – greift Verdana als Systemschrift. Das ist kein Kompromiss, sondern Absicht: So sieht ein selbst gebauter Flyer genauso stimmig aus wie ein professionell gesetzter.

Piktogramme

Bildzeichen greifen dort, wo Sprache an Grenzen stößt. Für ein Netzwerk, das Betroffene, Angehörige und gehörlose Teilnehmende gleichermaßen erreichen will, ist das keine Dekoration, sondern Funktion. Ein einheitliches Zeichenset im Thin-Line-Stil führt durch die Inhalte, ohne dass jeder Hinweis gelesen werden muss.

Objekte

Wiedererkennbarkeit entsteht heute nicht mehr allein dadurch, dass überall dasselbe Logo an derselben Stelle sitzt. Ein Regelwerk aus Logo, Farbe und Schrift stößt schnell an seine Grenzen, wenn eine Organisation vom DIN-A6-Flyer bis zum Faltpavillon jedes Format bespielen muss. Deshalb habe ich der Marke ein eigenes Objekt zur Seite gestellt: die Bildmarke, stark vergrößert und im Anschnitt als flächiges Gestaltungselement. Während das Logo unverändert bleibt, darf dieses Objekt frei arbeiten – es wächst, wandert, beschneidet sich am Formatrand und passt sich jedem Medium an.

Fotografie

Senioren in positiven Alltagssituationen, offen und zugewandt. Die Krankheit steht nie im Vordergrund. Im Bild sind immer die Menschen und das, was das Netzwerk möglich macht.

Barrierefreiheit

Verständliche Sprache, hohe Lesbarkeit und Platz für Gebärdensprach-Inhalte sind von Anfang an Teil des Systems, nicht nachträglich angeflanscht.

Brand Media – der Auftritt über alle Touchpoints

Digital

Die Website netzwerk-demenz-essen.de mit klarer, flacher Informationsarchitektur (Information über Demenz / Unterstützung finden / Aktuelles / Über uns & Netzwerkpartner / Kontakt), digitalem Mitglieds- und Newsletter-Formular sowie eingebundenen Gebärdensprach-Videos.

Aufklärungs- und Infomaterial

Faltblatt (DIN-lang, Wickelfalz), Veranstaltungs-Flyer, Checkliste Demenz und Umfrage-Flyer sowie Aufnahmeantrag, Beitragsordnung und Satzung als abgestimmtes Set.

Word-Vorlagen

Für wiederkehrende Formate wie Expertenrunde, Fortbildung und Gesprächskreis. Einen Großteil seiner Termin-Kommunikation übernimmt der Verein damit eigenständig, im Look der Marke.

Werbetechnik & Messe

Drop-Flag, Rollup-Display, Faltpavillon und Messetheke für einen wiedererkennbaren Auftritt im Raum.

Werbeartikel

Bewusst nachhaltig gewählt: Kugelschreiber aus Weizenstroh und Bambus, Brillenputztücher, Haftnotizen, Pflasterboxen und Pillendöschen – kleine Botschafter, die zum Charakter einer gemeinnützigen Organisation passen.

Geschäftsausstattung

Visitenkarten für Vorstand und Netzwerk.

Ergebnis

Aus einem schwierigen Thema ist ein Auftritt geworden, der sich sehen lässt – im doppelten Wortsinn. Das Netzwerk Demenz Essen tritt heute mit einem einheitlichen Gesicht auf, das für Betroffene warm und einladend und für Fachpartner seriös und glaubwürdig ist. Über zwanzig Medien greifen ineinander, vom Kugelschreiber bis zur Website – aus einem Guss.

Das vielleicht wichtigste Ergebnis ist eines, das man selten in Zahlen sieht: Die Marke lebt im Alltag. Einen Großteil seiner Veranstaltungskommunikation bewirbt der Verein heute eigenständig mit den bereitgestellten Vorlagen, im Look der Marke. Die „Bitte vormerken"-Reihe begleite ich weiterhin selbst; sie erscheint seit Jahren in immer neuen Auflagen. Ein Corporate Design, das nicht im Schrank liegt, sondern täglich benutzt wird – teils vom Verein getragen, teils gemeinsam weitergeführt. Genau dafür wurde es gebaut.

Optionaler Testimonial-Baustein (mit echtem Zitat zu füllen):
„[Zitat des Vorstands zur Zusammenarbeit und zum Nutzen des neuen Auftritts.]" — Dr. Dag Schütz, 1. Vorsitzender, Netzwerk Demenz Essen e.V.

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